BLOGGER TIPPS: Muss ich als Influencer ein Gewerbe anmelden?

1. Dezember 2019 / Lifestyle

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Immer wieder fragen mich (angehende) Blogger oder Instagramer, ob überhaupt und ab welchem Zeitpunkt sie für ihre Tätigkeit ein Gewerbe anmelden oder gar Steuern zahlen müssen. In diesem Zusammenhang kommt dann oft der Zusatz, dass sie ja nur ”ab und an” Ware von Firmen erhielten und dies gelegentlich nur auf den Social Media Kanälen zeigen würden. Außerdem betreibe man Instagram ja lediglich als Hobby.

Diese häufig gestellte Frage hat mich dazu veranlasst, die gewerbliche Tätigkeit von Bloggern und Influencern (im Folgenden fasse ich beides unter dem Begriff ”Blogger” zusammen) einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Mein Artikel ist in diesem Zusammenhang bitte nur als Problemaufriss zu verstehen und entbehrt nicht der individuellen und ausführlichen Beratung durch Euren Rechtsanwalt, Steuerberater oder das Gewerbeamt. Darauf möchte ich als Juristin natürlich hinweisen… 🙂

Wer muss ein Gewerbe anmelden?

Gemäß § 14 GewO muss jede Aufnahme einer selbständigen Gewerbetätigkeit in Deutschland angezeigt werden. Diese Anzeigepflicht besteht unabhängig davon, ob diese Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird. Nach § 14 GewO ist auch die Übernahme eines bereits bestehenden Gewerbebetriebes oder die Eröffnung einer weiteren Filiale anmeldepflichtig.

Gemäß § 1 GewO ist der Betrieb eines Gewerbes jedermann gestattet, soweit nicht durch die Gewerbeordnung Ausnahmen oder Beschränkungen  vorgeschrieben oder zugelassen sind.

Beide Paragraphen setzen die sog. Gewerbe-Tätigkeit voraus. Doch was ist eigentlich ein Gewerbe?

Nach § 15 Abs. 2 ESTG ist ein Gewerbe jede erlaubte, auf Gewinnerzielung gerichtete selbständige Tätigkeit, die fortgesetzt und nicht nur gelegentlich ausgeübt  wird, mit Ausnahme der Urproduktion, der Verwaltung eigenen Vermögens, wissenschaftlicher, künstlerischer und schriftstellerischer Berufe sowie persönlicher Dienstleistung höherer Art. (freie Berufe).

Muss ich als Blogger ein Gewerbe anmelden?

Nach den zuvor dargestellten Passagen stellt sich für Blogger nun also die Frage, ob

1) ihre Tätigkeit der eines Freiberuflers gleicht und somit keine Gewerbeanmeldung vorzunehmen ist. Oder ob

2) sie nicht zu den Freiberuflen zählen und somit eine Gewerbeanmeldung nach § 14 GewO erforderlich ist.

Bist Du als Blogger Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Die für die Gewerbeanmeldung alles entscheidende Frage ist also, ob die Tätigkeiten des Bloggers denen eines Freiberuflers gleichzusetzen sind. Das Gesetz regelt den Begriff des Freiberuflers eindeutig. Gemäß 18 ESTG (Einkommenssteuergesetz) gehören die hier aufgelisteten Berufe zu den freien Berufen: Anwälte, Notare, Künstler oder Ähnliches. Ebenso journalistische Tätigkeiten. Für den Blogger ist in diesem Zusammenhang also entscheidend, ob seine Tätigkeit der eines Journalisten gleichzusetzen ist. Personen, die lediglich einen Blog führen und dabei keinerlei kommerzielle Absichten verfolgen, können durchaus mit Journalisten verglichen werden. Sie gehen nach meinem Dafürhalten einer freiberuflichen Tätigkeit nach, die keine Gewerbeanmeldung erfordert. Sie kommen übrigens auch in den Genuss von Vorzügen, die die Buchhaltung und die Steuererklärung betreffen.

Anders hingegen verhält es sich, wenn Blogger Geld von Unternehmen für Anzeigen oder Ähnliches erhalten.  Klares Indiz ist in diesem Zusammenhang die Gewinnerzielungsabsicht. Baut der Blogger beispielsweise eine Einnahmequelle, wie z.B. Affiliate Links (=Links, über die der Blogger eine Provision im Falle des Kaufes des Produktes erhält) oder bezahlte Links ein, so deutet dies auf eine gewerbliche Tätigkeit, die nicht zu den künstlerischen Berufen zählt. Anders gesagt: jeder Webseiten-Betreiber, der mit seiner Seite Geld verdienen möchte, ist als Gewerbetreibender einzustufen und muss sein Gewerbe entsprechend anmelden. Außerdem hat dies steuerrechtliche Bedeutung.

Im Zweifel individuelle Beratung

Was für den Blogger mit journalistischen Texten und Affiliate Links bereits als Gewerbe eingestuft wird, muss erst recht für den Instagramer gelten. Arbeiten diese doch mit reduziertem Textanteil und vornehmlich mit Bildsprache, über die sie gewerbliche Produktplatzierungen betreiben und somit massive Einnahmequellen generieren. Die vermeintlichen ”Geschenke” von Firmen  – wie sie gerne bei Instagram bezeichnet werden – haben ebenso wie monetäre Vergütungen steuerrechtliche Relevanz in Form eines geldwerten Vorteils.

Wer auf Instagram auch nur gelegentlich Tauschgeschäfte eingeht, ist zumindest gut beraten, Kontakt zu einem Steuerberater für eine individuelle Beratung aufzunehmen. Wie so oft ist die Abgrenzung zwischen Freiberuf und Gewerbe manchmal schwierig und sollte nicht dem Zufall überlassen werden. Denn die falsche Einstufung des eigenen ”Hobbies” kann durchaus weitreichende steuerrechtliche Folgen haben.

Tipp:

Sobald Du Werbung auf Deinem Blog bzw. auf Deinen Social Media Kanälen geschaltet hast, ist Deine Seite nicht mehr privat. Ob Du damit bereits Einnahmen erzielt hast, ist dabei unerheblich. Denn nach Auffassung des Gesetzgebers hat die ersichtliche Absicht zur Gewinnerzielung Vorrang vor einem tatsächlich erzielten Gewinn. Dabei muss keine Vergütung in Geld fließen; auch Tauschgeschäfte (z.B. Ware gegen Post, Story, Link-Setzen oder Blogbeitrag) spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle. Im Zweifel sollte hier unbedingt Kontakt zum Steuerberater oder Gewerbeamt aufgenommen werden!

Wie läuft die Gewerbe-Anmeldung ab?

Die Gewerbeanmeldung geht relativ leicht vonstatten: sie kann beim örtlichen Gewerbeamt innerhalb von 30 Minuten abgeschlossen sein. Dies setzt voraus, dass Ihr Euren Personalausweis sowie 20 bis 40 Euro (je nach Gewerbeamt) mit dabei habt. Was die Tätigkeitsbeschreibung und das Ausfüllen des Anmeldebogens anbelangt, so sind die Mitarbeiter des Gewerbeamtes meist sehr hilfsbereit. Einige Wochen später erhaltet Ihr dann Post von der IHK sowie vom Finanzamt mit der Aufforderung, den ”Fragebogen zur steuerlichen Erfassung” ausgefüllt zurückzusenden.

 

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